Personal Expertising

Von wegen Psycho-Zeug: Wie ein Coach Ihnen helfen kann

Wer ein Unternehmen führt, kann persönliche Probleme nicht gebrauchen – geschweige denn öffentlich zeigen. Gerade deshalb hilft ein Coach, der Lösungen sucht, das Positive herausarbeitet – und dabei immer verschwiegen ist.
„Kommen Sie mir nicht mit irgendwelchem Psycho-Zeug, dann gehe ich direkt wieder durch die Tür“: Diesen Satz höre ich häufig von Führungspersönlichkeiten, die sich in ihrem Job keine Blöße geben können; vielmehr müssen sie zeigen, dass sie eine feste Größe auf ihrem Posten sind und harte Entscheidungen treffen können. „Psycho-Zeug“ können sich Führungskräfte nicht leisten. Aber sie müssen täglich ihre Autorität behaupten.

Erst im stillen Hinterzimmer melden sich Stresssymptome, die von den kleinen Kämpfen und Konflikten da draußen herrühren. In diesem Hinterzimmer empfange ich meine Gäste. Personal Expertising ist keine Therapie. Wie in einem guten Coaching arbeiten wir an einem aktuellen Thema, akzentuieren das Positive, führen Lösungen herbei. Der Coach geht niemals dorthin, wo er nicht ausdrücklich eingeladen ist.

Es ist dann immer wieder überraschend, dass Mandanten mir hinter verschlossenen Türen Dinge preisgeben, die sie bisher vielleicht nur ihrem Partner oder besten Freund anvertrauen würden, einem Barkeeper nach Mitternacht oder dem Hund beim Spazierengehen. Kein Wunder, denn diese sind auch so eine Art Coach: Der beste Partner, weil man sich fallen lassen kann. Der Barkeeper, weil er zuhört. Und der Hund, weil er verschwiegen ist. Hauptsache, man ist endlich mal los, was man so auf dem Herzen hat.
 
Ein guter Coach ist Barkeeper, Partner und Hund in einem.

Lächeln mit dem Finger im Bauch

Neulich zum Beispiel führe ich ein Gespräch mit dem „Amtsinhaber“ eines familiengeführten Markenunternehmens, das seit hundert Jahren an jede Generation weiter gegeben wird. Schon zu Beginn fällt mir auf, dass er relativ klein ist im Unterschied zu seinen Vorstandskollegen – doch er ist der Namensträger. „Ganz unter uns “ erzählt er, „ich lasse mir von gleich stehenden Kollegen jede Schikane gefallen und weiß nicht warum. Die können mit mir machen, was sie wollen. Sie wissen es nur nicht. Sie könnten mir den Zeigefinger in den Bauch bohren, und ich würde nur sagen: ‚Das ist ja ein interessanter Schmerz.’“

Ich kann ihm das auch nicht erklären – er tut es aber selbst. Ganz nach dem Motto: „Merkwürdig, das sagt meine Frau auch immer zu mir!“ Es sei ja eigentlich schon immer so gewesen. In der Familie, in der Schule, auf dem Fußballplatz: „Wenn ich zuhause erzählen konnte, dass ich zwei Tore geschossen habe, sagten die Eltern, das sei doch normal. Eine Eins in Mathe ... normal. Also habe ich mir noch mehr Mühe gegeben, aber nie Anerkennung erwartet – und bin höchstens aufgefallen, wenn etwas schief lief. Und heute wissen alle – das können Sie mir in die Schuhe schieben, ich wehre mich nicht. Und sie haben recht ...“ Der Mann ist höchst erfolgreiches Vorstandsmitglied, das Unternehmen trägt seinen Familiennamen!

Dabei hat der Mandant die Lösung bereits formuliert. Anerkennung ist der mentale Sprit, mit dem jeder Mensch jederzeit auftanken muss – ist er einmal aufgebraucht, nützen alle Pferdestärken nichts. Ich weise ihn darauf hin, dass sein Erfolg keineswegs „normal“ ist – zumal er sich nicht auf den Lorbeeren der Familiendynastie ausgeruht hat. Er solle lieber stolz auf seine Verantwortung sein und Anerkennung genießen.
 
Beim nächsten Treffen ruft er begeistert: „Mir ist etwas eingefallen: Meine Frau hat neulich gesagt, dass sie zu mir stehen würde, egal was im Unternehmen passiert.“ Das hätte er sonst geistig abgeheftet und für normal empfunden. Nun bestärkt ihn die Tatsache, dass seine Frau ihn nur um seiner selbst Willen anerkennt. Von wegen „komisch, das sagt meine Frau auch immer ...“ Der Gang ins Hinterzimmer hat ihn also gestärkt für die Welt da draußen.