Chefsache Burnout

Wenn Manager vom Stress in den Suizid getrieben werden

Manager, das sind noch echte Männer. Knallhart entscheiden, Ziele durchdrücken, Köpfe rollen lassen ... um dann im stillen Kämmerlein zusammenzubrechen. Dieser Dauerdruck kann im Selbstmord enden, wenn man das Wichtigste vergisst: Auch Manager sind Menschen.
Es wäre eigentlich eine schöne Szene, wie aus einer britischen Komödie: Der Chef stampft tobend aus einem Meeting heraus, setzt sich in den Fond des Firmenwagens und vertraut seinem Fahrer recht energisch seinen Frust an. Brüllt, schreit und tobt, bis er sich schon viel besser fühlt.

Zurück bleibt der Chauffeur, der lange ins Leere blickt und dann in sich zusammensackt: Herzattacke. Wie gesagt, eine gute Filmszene, wäre sie nicht dem Chauffeur eines Mandanten genau so passiert. Der zum Vertrauten auserkorene Chauffeur hat sich die Anliegen seines Bosses buchstäblich zu sehr zu Herzen genommen. Die gute Nachricht: Er hat es überstanden. Und nun bin ich der Sparringspartner für seinen Chef.

Wem vertrauen?

Richtig tragisch wird es jedoch, wenn Führungskräfte niemanden mehr haben, bei denen sie ihre menschliche Seite mit allen Schwächen, Stärken und Facetten ausleben können. Und so wird Selbstkontrolle und Beherrschung zum Motor für eine schleichende Einsamkeit: Wem vertrauen? Wer redet nur nach dem Mund? Und Zuhause, tja, da kann‘s keiner mehr hören.

Vor kurzem ereilte die Wirtschaftsbranche die erschütternde Nachricht vom Tod des erfolgreichen Swisscom-Chefs Carsten Schloter im Alter von 48 Jahren. Der beliebte Deutsche hatte sogar offen gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung geklagt: „Ich stelle bei mir fest, dass ich immer größere Schwierigkeiten habe, zur Ruhe zu kommen, das Tempo herunter zu nehmen.“ Da war die Familie längst zuhause ausgezogen, Schloter in Daueraktivität ohne jeglichen emotionalen Rückhalt.
 
Dass dann die Akkus leer laufen, ist kein Geheimnis. Und auch der Barkeeper ist keine dauerhafte Lösung, Frust und Ängste abzulassen.

Wie wird so einer lebensmüde?

Wie kann so einer plötzlich müde werden – lebensmüde? Weil so wichtige Subsysteme wie Familie, Freunde, selbst Kumpels im Sportverein nicht als wichtige Ressource wahrgenommen werden. Als Chef darf man sich keine Blöße geben. Als „Mensch“ kann man in Meetings nur schwerlich reüssieren – darauf wartet die interne Konkurrenz ja nur. Umso wichtiger, mental dort aufzuladen, wo man ganz Mensch sein kann.

Und hier ist aufladen ganz technisch gemeint. Wenn man immer nur steuert, immer nur kontrolliert, immer nur gibt, wird der eigene Tank leer. Gerade dann ist ein gleichwertiger Partner wichtig. Ein Sparringspartner auf Augenhöhe, der hilft, die Gedanken zu ordnen, klarer zu sehen, schwierige Situationen im Voraus durchzuspielen. Der einen erinnert, dass es auch Dinge gibt, die nichts mit dem Beruf zu tun haben. Der zuhört und unterstützt, wenn Worte für Gefühle gefunden werden müssen: Für die Angst vor dem Versagen. Davor, nicht zu genügen, nicht mehr genügend Kraft zu haben, sich nicht mehr gegen ewige Angriffe schützen zu können. Wenn es diesen Partner – wie es meist geschieht – im Unternehmen nicht gibt und die Familie nicht zuhört, hilft ein Coach.

„Jetzt bin ich dankbar dafür“

Neulich gestand mir ein gestandener Manager, dessen Coach und Sparringspartner ich bin: „Wenn Sie mir vor drei Jahren erzählt hätten, wir reden eines Tages über meine Gefühle, hätte ich Sie wahrscheinlich wieder nach Hause geschickt. Jetzt bin ich sehr dankbar dafür.“
 
Wenn man so das innere Gleichgewicht wieder findet, dann muss man auch keine gestauten Emotionen beim Chauffeur ablassen – und das ist gut fürs Herz.